Rechter Terror richtet sich oft gegen Einzelne – aber er soll uns alle treffen. Nichts zeigt das besser als die 57 Porträts der Menschen in der Ausstellung und im Begleitband. Die Menschen wurden von Rechtsextremen als Gegner markiert und auf sogenannte „Feindeslisten“ gesetzt. Durch die Ausstellung werden sie sichtbar gemacht.
Gamze Kubasik und Elif Kubasik (Tochter und Ehefrau von Mehmet Kubasik) sprechen über die Perspektive der Frauen auf den Verlust und darüber, wie der Mord an ihrem Ehemann und Vater
sich auf ihr Leben und auf ihre Person ausgewirkt hat.
Die Herausgeber des Lyrikbandes „Haymatlos“ Tamer Düzyol und Taudy Pathmanathan und die Autorin Leyla Erkuş lesen Auszüge aus der Sammlung. „Haymatlos“ vereint Perspektiven auf Rassismus und Migration, erzählt Familiengeschichten und von der Sehnsucht nach „Normalität“. Skurrile, witzige und ironische Texte wechseln sich ab mit Lyrik, die von Wut, Sehnsucht und Trauer erzählt. „Haymatlos“ gibt so Biografien, Geschichten und Emotionen ein Zuhause. Zudem stellt die Künstlerin und Filmemacherin Cana Bilir-Meier ihr Werk vor. Die Nichte der Schriftstellerin Semra Ertan („Mein Name ist Ausländer“), die ebenfalls in „Haymatlos” vertreten ist, hat gemeinsam mit ihrer Mutter Zühal Bilir-Meier 2018 in Hamburg die Initiative in Gedenken an Semra Ertan gegründet und die Gedichte ihrer Tante neu veröffentlicht. Semra Ertan war 1982 in Hamburg gestorben, nachdem sie sich aus Protest gegen Rassismus in der Bundesrepublik öffentlich selbst verbrannte.
„Darf ich dich was fragen…?“ ist eine vorsichtige Formulierung. Ein Herantasten. In ihr steckt bereits einiges an jenem Konfliktpotential, dem sich junge Erwachsene während ihrer Recherchen aussetzen. In selbst geführten Interviews befragen sie Verwandte und Bekannte ihrer Familie zu deren Wissen über und Erfahrungen mit Rechtsradikalismus in der Region Rudolstadt-Saalfeld. Ganz konkret geht es um die Erinnerungen, die die Eltern, Großeltern oder Freunde der jungen Menschen an den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) haben. Die Jugendlichen nehmen die Interviews mit ihren Smartphones auf. Ergänzt wird die Recherche durch Videoaufnahmen der jungen Teilnehmer:innen von Alltagssituationen in ihren Städten. Im Sommer 2021 führten die Teilnehmer:innen die Interviews mit ihren Familien. Dem voraus gingen Workshops und Infotreffen. Weiter geht es mit der Sichtung, Auseinandersetzung und theatralen Verarbeitung des Materials, aus dem schließlich ein Film entsteht. Am Eröffnungsabend von Kein Schlussstrich! und der Vernissage von „Offener Prozess“ werden erste Ausschnitte präsentiert. In den Gesprächen der Beteiligten ist bereits mehr als deutlich geworden: Es ist höchste Zeit, sich der Vergangenheit zu stellen. Insofern muss es heißen: „Ich muss dich dringend was fragen!“ In Kooperation mit dem „Zukunftsladen“ Saalfeld / Koordinierungsstelle Partnerschaft für Demokratie
Wie erinnert Nürnberg? Erinnerungskulturelles Podiumsgespräch mit Vertreter:innen der Zivilgesellschaft
Die Hintergründe des NSU sind bis heute nicht aufgeklärt. Rechte Netzwerke existieren weiter. Auch in Nürnberg und seiner unmittelbaren Umgebung. Und – wie sich immer wieder zeigt – auch in den Behörden, die eigentlich für Sicherheit sorgen sollen. Gemeinsam mit der lokalen Initiative „Das Schweigen durchbrechen“ realisiert das Staatstheater eine Gesprächsveranstaltung, bei der diese Strukturen beleuchtet und ihre Auswirkungen auf Betroffene deutlich gemacht werden.
Am 30. Oktober 2021 ist es 60 Jahre her, dass die BRD mit der Türkei ein Anwerbeabkommen für Gastarbeiter schloss. Abdurrahman Gümrükçü kam damals als Gastarbeiter nach Deutschland. Heute sitzt er im Nürnberger Stadtrat. Im Staatstheater erzählt er im Gespräch mit Schauspieldirektor Jan Philipp Gloger seine Geschichte.
Prozesse bieten eine Bühne. Aber auch über diese Metapher hinaus sind die Zusammenhänge zwischen Gerichtsprozessen und Theater vielfältig. Inwiefern sind Prozesse eigentlich immer Inszenierungen, die ihre eigene Wirklichkeit herstellen – ohne dabei zum Schauprozess zu werden? Wer spielt welche Rolle? Welche theatralen Erwartungen werden an Prozesse gestellt, die diese vielleicht gar nicht erfüllen können? Und können Theater und Zivilgesellschaft, in dem sie sich die Form des Tribunals aneignen, diese Erwartungen erfüllen?