Eine Unterhaltung am Übergang zum 60. Jahrestag des Deutsch-Türkischen Anwerbeankommens. Bei Meze und Rakı werden Fragen zu Zugehörigkeiten, Mutter-, Vater- und Fremdsprachen und Bedrohungen im Exil immer wieder unterbrochen von Songs of Gastarbeiter sowie live gesungenen Türkü.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe ’61 – ’91 – ’21: Immer wieder Deutschland, die die Ausstellung Offener Prozess am Berliner Maxim Gorki Theater begleitet. Die von Yunus Ersoy und Edona Kryeziu kuratierte Reihe gibt migrantisch situiertem Wissen sowie durch dieses geprägter Kunst eine Bühne.

Sema Poyraz, Aysima Ergün und Sesede Terziyan haben mindestens zwei Dinge gemeinsam. Sie sind Schauspieler:innen am Maxim Gorki Theater, Berlin und Zeitzeug:innen des migrantisierten Lebens in Deutschland. Bei einem „3-Generationen-Gespräch“ treffen sie aufeinander, schlüpfen in die Metaphern-Rolle und sprechen am Vorabend des 60. Jahrestags über die Entwicklung seit dem Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommen.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe ’61 – ’91 – ’21: Immer wieder Deutschland, die die Ausstellung Offener Prozess am Berliner Maxim Gorki Theater begleitet. Die von Yunus Ersoy und Edona Kryeziu kuratierte Reihe gibt migrantisch situiertem Wissen sowie durch dieses geprägter Kunst eine Bühne.

Es wurden Arbeiter gerufen
doch es kamen Menschen an
Man brauchte unsere Arbeitskraft
die Kraft die was am Fließband schafft
Wir Menschen waren nicht interessant
darum blieben wir euch unbekannt
Cem Karaca: Es kamen Menschen an

Der türkische Sänger Cem Karaca beschreibt in dem Lied von 1984 mit eben diesen Zeilen die Missstände über die Unkenntnis der Mehrheitsgesellschaft zur eigenen Einwanderungsgeschichte. Noch bis heute ist die deutsche Migrationsgeschichte nach den 1960er Jahren nicht in den Schulbüchern verankert, die erste Generation der Gastarbeiter verstorben oder zurück in die Haymat gezogen, dokumentarisches Material liegt verschollen in Koffern herum oder gänzlich verschwunden. Auch in den Museen der Republik wurde die Archivierung für lange Zeit verpasst.

Mit der Workshop-Reihe Es kamen Menschen an laden die Fotojournalistin Emine Akbaba und der Künstlerische Leiter der Universen Murat Dikenci verschiedenste Generationen der Diaspora zu einer kollektiven Ausstellung ein. Gemeinsam sollen Fotos, Videos, Briefe, Postkarten gesichtet, mit Çay und Çekirdek in Erinnerungen geschwelgt und über mehrere Monate eine eigene Ausstellung über die Migrationsgeschichte Hannovers erstellt werden.

In einem zweiseitigen Dokument regelte das Auswärtige Amt in Bonn mit der türkischen Botschaft am 30. Oktober 1961 die Entsendung von Arbeitskräften aus der Türkei nach Deutschland: das sogenannte Anwerbeabkommen. Es wurden zwar Arbeiter gerufen, mit Hinblick darauf, dass diese Menschen nach verrichteter Arbeit in meist unwürdigen Arbeitsstätten wieder zurück in die ‚Haymat‘ geschickt werden sollten – doch die meisten blieben und bilden heute die größte ethnische Minderheit in Deutschland.
Am 60. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei hinterfragt das Schauspiel Hannover in der von Murat Dikenci geleiteten Reihe Universen wir mit den beiden Filmen Schweinemilch und Gurbet is home now kritisch das Ankommen und das Leben in der neuen Haymat.
Im Anschluss an die Screenings finden Gespräche mit den Regisseur:innen statt.

Schweinemilch Mit viel Witz, Ironie und Feingefühl erzählt der Kurzfilm die ersten Stunden und Missgeschicke im Leben drei junger türkischer Gastarbeiter im Deutschland der 1960er Jahre. Eine Komödie über Missverständnisse, Vorurteile und das Ankommen in einem fremden Land.

Gurbet is home now Ein filmischer Essay der Künstlerin Pınar Öğrenci über Stadtentwicklung und das Leben von türkischen Migrant:innen im heruntergekommenen Kreuzberg der 1980er Jahre, dem sie mithilfe von zeitgenössischen Fotografien, türkischen Gedichten und Interviews auf die Spur kommt.

Seit der Premiere von Die Lücke am Schauspiel Köln vor sechs Jahren ist Deutschland von zahlreichen rassistischen Morden und Anschlägen, wie in Halle, Hanau, Chemnitz oder Kassel erschüttert worden – die Rechte hat aufgerüstet. Auch der NSU-Prozess fand nach fünf langen Jahren einen vermeintlichen Abschluss und der über 3.000-seitige Schuldspruch ist erst Anfang Mai veröffentlicht worden; dennoch sind viele Fragen offen und die Auseinandersetzung ist keineswegs abgeschlossen: Anwälte der Mordopfer beklagen, dass das Gericht verpasst hätte, den Mordopfern ein Gesicht zu geben. Auch sei die Rolle des Verfassungsschutzes und der Polizei nicht hinreichend verhandelt worden.
In Die Lücke 2.0 wird hinterfragt, wie die Betroffenen der Keupstraße das NSU-Urteil wahrgenommen haben, wie der aktuelle Stand bezüglich des Mahnmals ist, dem geplanten Erinnerungs- und Lernort, und wie es sich in Deutschland aktuell leben lässt.
Das Schauspiel Hannover lädt im Rahmen von Kein Schlussstrich! zu einer multimedialen Listening Session und anschließendem Gespräch ein.

Kulinarisches Begegnungs- und Workshopformat von und mit Mark Schröppel und Stephan Mahn/Performancekollektiv SKART
Für Menschen ab 10 Jahren

„Dieses Zeitstück inszeniert Regisseur Marcel Kohler als sensible, filmisch-theatrale Reflexion, als Bilderreigen und Assoziationskette (…) Worte und Bilder diffundieren durch die Zeiten und verweisen aufeinander. Beckmanns Geschichte ist nicht zu Ende – so, wie die Vergangenheitsbewältigung.“
Ina Beyer, SWR 2, 26.3.2021

Polyphoner Gesprächsabend von und mit Katharina Warda. Ziel des Abends ist ein Einblick in deutsche Realitäten jenseits der (weißen) Mehrheitsgesellschaft, die zu oft im Schussfeld (rechter) Gewalt
stehen. Er macht Generationen nicht-weißer deutscher Geschichte und deren Akteur:innen und Perspektiven sichtbar.