Želimir Žilnik ist serbischer Filmemacher und Regisseur von Inventur. 1975 stellen sich die Bewohner:innen der Metzstraße 11 in München im Treppenhaus vor der Kamera vor. Das Treppenhaus transformiert Žilnik in diesem Setting zu einem intimen wie auch kollektiven Raum der Begegnung. Die in Berlin lebende Künstlerin und Dozentin Pınar Öğrenci hat einen Hintergrund in Architektur, der ihre poetischen und experimentellen Videoarbeiten und Installationen beeinflusst. Sie sind zugleich dekoloniale und feministische Lesarten aus sozialer, politischer und anthropologischer Forschung. Ihre Arbeit für die diesjährige Ausstellung ist die Neufassung der Arbeit von Žilnik, die in München gedreht wurde. Im Gespräch werden die Kontinuitäten wie die Veränderungen der Lebensrealitäten von Gastarbeiter:innen und Vertragsarbeiter:innen in Verbindung mit Inventur 2021 diskutiert.
Hito Steyerl ist Professorin für Experimentalfilm und Video. In ihren künstlerischen Arbeiten setzt sie sich mit postkolonialer Kritik und feministischer Repräsentationslogik auseinander. Ayşe Güleç, Kuratorin der Ausstellung Offener Prozess, forschende Aktivistin an den Schnittstellen von Kunst(-vermittlung), Antirassismus und Migration, zählt zu den Schlüsselfiguren der documenta. In der Ausstellung zeigen Güleç und Steyerl Erfahrungen Betroffener rechter Gewalt. Sie diskutieren im Artist Talk Notwendigkeiten und Schwierigkeiten von politischen und aktivistischen Interventionen in die Erinnerungskulturen und in künstlerische Räume. Konkretisiert wird die Rolle der Kunst beim Erinnern an antisemitisch motivierte Pogrome und Taten.
Lokale Kontinuitäten rechter Gewalt werden in den Filmen şahîd – nhân chúng – witnesses deutlich, die in einer Zusammenarbeit von Red Tower Films und Offener Prozess entstanden sind. Hier sprechen verschiedene ostdeutsche Zeitzeug:innen über ihre Erfahrungen. Das ausgewählte dokumentarische Interview spielt in Werdau, einer Stadt nahe des langen Aufenthaltsortes des NSU. Eine Familie in verschiedenen Generationen berichtet von dem Ankommen in Deutschland und der Situation vietnamesischer Vertragsarbeiter:innen. Als Zeug:innen und Überlebende teilen sie ihre Erfahrungen mit Rassismus und den Gründen für ihr Bleiben. Es folgt ein Filmgespräch mit einer Protagonistin.
„Sorry, aber so friedlich war die Friedliche Revolution nicht, nicht für mich, nicht für sehr, sehr viele andere.“ – Rund 191.000 Menschen, die in der DDR als Ausländer:innen galten, lebten zum Mauerfall im Osten Deutschlands. Ihre Geschichten und Erfahrungen sind genau so wenig auserzählt, wie die vieler anderer
Menschen, die von Gefährdung, vom Verlust von Arbeit und gravierenden Existenznöten nach dem Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft handeln. Dieses (Ver-)Schweigen führt mindestens
nicht zu Vertrauen in die demokratische Gemeinschaft. Die Soziologin Katharina Warda – in den 80er und 90er Jahren als Tochter eines Südafrikaners in einer „Platte“ in Wernigerode aufgewachsen – teilt die speziellen ostdeutschen Erfahrungen und setzt sich, im Versuch Brücken zu schlagen, seit Jahren vehement für die Hörbarkeit ostdeutscher und migrantischer Stimmen ein.
Wir verlernen Deutsch gemeinsam! „Deutschkunde 2021“ ist Pflichtfach der Zukunft und freiwilliges Nachsitzen in Sachen Landeskunde. Du bist herzlich eingeladen, dich einzubringen, zuzuhören, zu lernen und dein Wissen und Unwissen über Deutschland zu teilen. Aber Vorsicht: unsere Expert*innen stellen womöglich deine Perspektive auf den Kopf. Denn der Stoff dieses performativen und interaktiven Unterrichts ist all jenes, was wir mit der Muttermilch aufgesogen haben. Bist du mutig genug, den eigenen Rassismus bis in die Kinderstube zu verfolgen?
Die „Deutschkunde 2021“ beinhaltet Workshops, Vorträge, Gespräche und Filme. Den kompletten Stundenplan finden Sie auf www.theaterhaus-jena.de
Das von Jacqueline Saki Aslan und Dîlan Sina Balhan kuratierte Symposium blickt auf eine Geschichte des Widerstands und der Resilienz in Deutschland gegen rechte Gewalt – aus dem Blickwinkel von Überlebenden, Familien von Opfern und Betroffenen, sowie Initiativen. Zu Ehren der Aktivist:innen, die vor uns kamen, der Aktivist:innen, die jetzt sind, und der Aktivist:innen, die noch kommen werden – Why We Fight bringt die Stimmen derer zusammen, die seit Jahrzehnten für dringende Veränderungen innerhalb der Politik und Parlamente, der Justiz und Polizei sowie der Zivilgesellschaft kämpfen durch Solidarität, Erinnerung und der unerschütterliche Glaube an eine bessere Zukunft – für die Stadt Hamburg und für jede Stadt in Deutschland.