»Hanau, Halle, Kassel, Chemnitz – an all diesen Orten haben jüngst rassistisch motivierte Morde stattgefunden. Im Zusammenhang von KEIN SCHLUSSSTRICH! und der Auseinandersetzung mit den Taten des sog. NSU wird während dieser Veranstaltung über rassistische Kontinuitäten in Deutschland sowie das Verhältnis von institutionellem Rassismus und Rechtsextremismus gesprochen. Mit von Rassismus betroffenen Personen werden bekanntere und weniger bekannte Fälle der letzten 50 Jahre verhandelt, denn »in keinem anderen westeuropäischen Land ist die Zahl rechtsextremer Anschläge, Gewalttaten und Morde so hoch wie in Deutschland.« (Quent, Matthias 2020). Zugleich diskutieren die Panelteilnehmer:innen auch langjährige Widerstände und Möglichkeiten der Solidarität.

Gern gesehene Gäste und mittlerweile einer der ältesten aktiven Hiphop-Acts in Deutschland: Mikrophone Mafia – immer politisch, immer gut!

Todeslisten, Morddrohungen, Rechte Gruppen, die Munition und Leichensäcke horten, um am »Tag X« die Macht in Deutschland zu übernehmen. Es sind keine verwirrten Einzeltäter:innen, die hier agieren. Die Gruppen heißen: »NSU 2.0«, »Hannibal«, »Westkreuz« oder »Gruppe S.« und bestehen aus sich miteinander vernetzenden Täter:innen, die zum Teil mit Unterstützung der deutschen Sicherheitsbehörden, wie Polizei, Bundeswehr, Spezialeinheiten und Verfassungsschutz agieren. Wie können rechtsextreme Zusammenhänge erkannt und sichtbar gemacht werden? Wie lassen sich rechte Netzwerke innerhalb der deutschen Staatsorgane bekämpfen? Darüber diskutieren die Teilnehmer:innen dieses Gesprächs und erzählen von ihren Erfahrungen aus der Praxis.

Die Errichtung des Mahnmals auf dem Gelände Keupstraße/Schanzenstraße, das die rassistisch motivierten Bombenanschläge durch den sog. NSU in der Probsteigasse (2001) und auf der Keupstraße (2004) gedenken soll, ist im Juni 2021 bewilligt worden. Während es in den weiteren deutschen Städten, in denen das NSU-Netzwerk Morde begangen hatte, bereits Erinnerungsorte gibt, steht ein solcher Ort in Köln bislang aus. Lange fand von Seiten der Stadt und der Investor:innengruppe keine Einigung und damit auch keine Zusicherung des Platzes statt. Dies, obwohl mit dem Denkmalentwurf des Künstlers Ulf Aminde bereits seit 2015 ein bewilligter Plan vorlag und Initiativen und Einzelpersonen immer wieder auf die dringende Notwendigkeit der Errichtung dieses Mahnmals verwiesen. Die Diskussion soll den Fragen nachgehen, welche Funktion das Mahnmal im städtischen Diskurs einnehmen soll, wie eine nachhaltige Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus, rechtem Terror und Staatsgewalt durch den Gedenk- und Lernort gefördert wird und wie eine kontinuierliche augmented reality-Bespielung des Mahnmals durch die »next generation« aussehen kann? Einer Generation, für die struktureller Rassismus Teil der Lebensrealität ist und oftmals eine Fortschreibung der Rassismus-Erfahrungen der Eltern und Großeltern darstellt.

Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR

Rassistische Übergriffe an Rom:nja und Sinti:zze sind in Deutschland an der Tagesordnung. Die von Betroffenen gemachten Erfahrungen bleiben im öffentlichen Diskurs jedoch meist unsichtbar. Auch umfassende Studien gab es bis 2021 zur Veröffentlichung des Berichts der »Unabhängigen Kommission Antiziganismus« erstellten und vom Bundesministerium des Inneren geförderten Untersuchung bislang nicht.
Die Themen, die verhandelt werden müssen, sind vielfältig: Es geht um historische rassistische Kontinuitäten, Polizeigewalt, Asylrecht, Rassismuserfahrungen im Alltag, bei der Arbeit, in den Bereichen Wohnen, Bildung oder Zugang zum Gesundheitssystem. Einige dieser Themen werden auf diesem Podium durch die Perspektive von Betroffenen sichtbar gemacht. Es soll dabei der Raum Köln beleuchtet, aber auch der größere Gesamtblick auf Deutschland erfasst werden.

Das rassistische Pogrom im August 1992 in Rostock-Lichtenhagen ist Ausdruck der nationalistischen Stimmung zu Beginn der 1990er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland. Der Mord an Mehmet Turgut am 25.02.2004 in Rostock-Toitenwinkel ist Teil der Tatserie des NSU, die erst 2011 öffentlich wurde. Können diese Ereignisse als Kontinuitäten rechter Gewalt gelesen werden? Wie sind die Taten im kollektiven Gedächtnis der Rostocker Stadtgesellschaft verankert? Im historischen Spannungsfeld vom Ende der DDR, Rostock-Lichtenhagen und dem NSU-Komplex begibt sich die Gesprächsrunde in das Themenfeld der Aufarbeitung und des Erinnerns am Beispiel Rostocks. Gefördert vom Fond Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR.

In allen Städten mit Bezug zum NSU-Komplex gibt es bereits Gedenkorte und Mahnmale an die Opfer des NSU. Die Schaffung von Erinnerungsorten war jedoch häufig damit verbunden, dass Interessen der Angehörigen kein Gehör fanden, oder wenig innovative Formate wie Gedenksteine geschaffen wurden. Die Podiumsdiskussion ist ein Auftakt für die Frage: Wie kann der Prozess für einen Erinnerungsort an die NSU-Opfer in Chemnitz aussehen? Es diskutieren: Elif Kubaşık, die als Frau des NSU-Mordopfers Mehmet Kubaşık oft Kritik an den entstandenen Gedenkorten geübt hat. Ulf Aminde, der als Künstler den Entwurf für das Keupstraßenmahl „Herkesin Meydanı — Platz für Alle“ erarbeitet hat. Serpill Temiz Unvar, die als Mutter des ermordeten Ferhat Unvar mit der Bildungsinitiative „Ferhat Unvar“ das Gedenken aufrecht erhält.

Anmeldung über offener-prozess@asa-ff.de

In 15 Städten findet Kein Schlussstrich! statt. Es sind 15 Orte, in denen der sogenannte NSU Geschwister, Kinder, Freund:innen und Väter ermordete, und/oder sich auf die Unterstützung wie Mitwirkung seinesgleichen verlassen konnte. Es sind 15 Mal offene Wunden und offene Fragen. Es sind 15 Stadtgesellschaften mit Traditionen, Nachbarschaften, Lokalzeitungen, Vereinen, politischen Institutionen und Legenden. Es sind 15 Historien rassistischer und antisemitischer Gewalt, die schon lange vor dem NSU-Komplex stattfand und weiterhin geschieht. Dabei gibt es in jeder Stadt Personen und Initiativen, die sich mit beeindruckendem
Engagement der rechten Gewalt entgegenstellen, die Gedenktage organisieren, die Erinnerung wachhalten und Aufklärung einfordern. Zu selten erfahren sie die Anerkennung einer breiten Öffentlichkeit oder einer Lokalpolitik, die teilweise eben jenes Gedenken lange nicht prioritär behandeln wollte – sei es aus Sorge um den Ruf ihrer Stadt, sei es aus Ignoranz oder aus anderen zu erfragenden Gründen. In ihrem Zusammenspiel aus Geschichte und Gegenwart, Zivilgesellschaft und Politik ist jede beteiligte Stadt einzigartig. Erinnerungspraxis sowie das Ringen um die „richtige“ Form von Gedenken sind vielfältig. Die Schauspielerin, Aktivistin und Kabarettistin İdil Baydar reist zu den Schlüsselorten des NSU-Komplexes, um zwischen Kunst, Diskurs und Aktivismus eine erinnerungskulturelle Bestandsaufnahme zu machen. Sie befragt Vertreter: innen aus Zivilgesellschaft und öffentlichen Institutionen, wie vor Ort und in der Region Gedenken praktiziert und Aufarbeitung gelebt werden. Die eingeladenen Gäste und thematischen Bögen der Gespräche sind dabei
so individuell wie die beteiligte Stadt. Der NSU-Komplex „passierte“ nicht im leeren Raum. Tatorte, Verstecke und Denkmäler sind eingebettet in städtische Geschichte. İdil Baydar sucht die ortsspezifischen Antworten auf grundlegende Fragen:
Wie übernehmen Stadtpolitik und -gesellschaft Verantwortung?
Wer setzt sich für Aufarbeitung ein?
Wessen Erinnerung zählt?

13 Veranstaltungen an zwölf Orten: Zur Vorführung kommt der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm Zustand und Gelände. Das Publikum ist zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des NS und dem schwierigen Gedenken eingeladen, insbesondere mit der Geschichte der frühen Konzentrationslager in Sachsen sowie den Erinnerungskulturen nach 1945. Institutionelle und individuelle Forschungsvorhaben und Projekte, gerade auch zivilgesellschaftlicher Akteur:innen, werden vorgestellt, das Publikum ist zur Diskussion eingeladen. Dabei geht es auch um das Gedenken an Verbrechen des NSU.