Gamze Kubasik und Elif Kubasik (Tochter und Ehefrau von Mehmet Kubasik) sprechen über die Perspektive der Frauen auf den Verlust und darüber, wie der Mord an ihrem Ehemann und Vater
sich auf ihr Leben und auf ihre Person ausgewirkt hat.
Die Herausgeber des Lyrikbandes „Haymatlos“ Tamer Düzyol und Taudy Pathmanathan und die Autorin Leyla Erkuş lesen Auszüge aus der Sammlung. „Haymatlos“ vereint Perspektiven auf Rassismus und Migration, erzählt Familiengeschichten und von der Sehnsucht nach „Normalität“. Skurrile, witzige und ironische Texte wechseln sich ab mit Lyrik, die von Wut, Sehnsucht und Trauer erzählt. „Haymatlos“ gibt so Biografien, Geschichten und Emotionen ein Zuhause. Zudem stellt die Künstlerin und Filmemacherin Cana Bilir-Meier ihr Werk vor. Die Nichte der Schriftstellerin Semra Ertan („Mein Name ist Ausländer“), die ebenfalls in „Haymatlos” vertreten ist, hat gemeinsam mit ihrer Mutter Zühal Bilir-Meier 2018 in Hamburg die Initiative in Gedenken an Semra Ertan gegründet und die Gedichte ihrer Tante neu veröffentlicht. Semra Ertan war 1982 in Hamburg gestorben, nachdem sie sich aus Protest gegen Rassismus in der Bundesrepublik öffentlich selbst verbrannte.
Wie erinnert Nürnberg? Erinnerungskulturelles Podiumsgespräch mit Vertreter:innen der Zivilgesellschaft
Die Hintergründe des NSU sind bis heute nicht aufgeklärt. Rechte Netzwerke existieren weiter. Auch in Nürnberg und seiner unmittelbaren Umgebung. Und – wie sich immer wieder zeigt – auch in den Behörden, die eigentlich für Sicherheit sorgen sollen. Gemeinsam mit der lokalen Initiative „Das Schweigen durchbrechen“ realisiert das Staatstheater eine Gesprächsveranstaltung, bei der diese Strukturen beleuchtet und ihre Auswirkungen auf Betroffene deutlich gemacht werden.
Am 30. Oktober 2021 ist es 60 Jahre her, dass die BRD mit der Türkei ein Anwerbeabkommen für Gastarbeiter schloss. Abdurrahman Gümrükçü kam damals als Gastarbeiter nach Deutschland. Heute sitzt er im Nürnberger Stadtrat. Im Staatstheater erzählt er im Gespräch mit Schauspieldirektor Jan Philipp Gloger seine Geschichte.
Prozesse bieten eine Bühne. Aber auch über diese Metapher hinaus sind die Zusammenhänge zwischen Gerichtsprozessen und Theater vielfältig. Inwiefern sind Prozesse eigentlich immer Inszenierungen, die ihre eigene Wirklichkeit herstellen – ohne dabei zum Schauprozess zu werden? Wer spielt welche Rolle? Welche theatralen Erwartungen werden an Prozesse gestellt, die diese vielleicht gar nicht erfüllen können? Und können Theater und Zivilgesellschaft, in dem sie sich die Form des Tribunals aneignen, diese Erwartungen erfüllen?
Der Sänger grölt Gewaltparolen, die Neonazis toben, die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: Als der Journalist Thomas Kuban
zum ersten Mal ein Neonazi-Konzert mit versteckter Kamera dreht, ermöglicht er Einblicke in eine Jugendszene, in die sich
kaum ein Außenstehender wagt. Neun Jahre später hat er fünfzig Undercover-Drehs hinter sich, auch jenseits deutscher Grenzen.
Ein Lied begegnet ihm immer wieder: »Blut muss fließen knüppelhageldick…«. Hochbrisant und einzigartig ist das Material, das er unter extremem persönlichem Risiko zusammengetragen
hat. Es dokumentiert hautnah, wie junge Leute mit Rechtsrock geködert und radikalisiert werden. Gemeinsam mit dem Filmemacher Peter Ohlendorf reist er noch einmal zurück an Orte,
an denen er undercover gedreht hat. Im Fokus steht dabei die Frage, die er auch auf der politischen Ebene zu klären versucht: Wie ist es möglich, dass auf der rechtsextremen Partymeile über alle Grenzen hinweg gefeiert werden kann? Rund 15 Jahre hat Thomas Kuban in der Neonaziszene recherchiert. Knapp neun Jahre davon hat er mit versteckter Kamera gearbeitet und dabei erschreckende Eindrücke gesammelt, die viel zu lange kaum beachtet worden sind. Veraltet sind seine Aufnahmen bis heute nicht. Ganz im Gegenteil, der Film ist hochaktuell.
Nachgespräch mit Peter Ohlendorf
Moderation: Dr. Mirjam Meuser