Als Katja ihren Mann und ihr Kind bei einem Nagelbombenanschlag verliert, ist ihr Leben zerstört. In grenzenloser Verzweiflung flüchtet sie sich in Drogen und schöpft erst wieder Hoffnung, als zwei Neonazis verhaftet werden, die dringend unter Tatverdacht stehen. Der Prozess ist anstrengend und verläuft zäh, doch Katja ist sich sicher, dass die beiden verurteilt werden, denn ihre Schuld liegt auf der Hand. Als der Verteidiger der Neonazis schließlich geschickt Zweifel sät, kommt es zum Freispruch. Nach dieser unfassbaren Wendung kennt Katjas Wut keine Grenzen…
Für seinen Film nahm Fatih Akin den Nagelbombenanschlag des NSU in der vorwiegend migrantisch bewohnten Kölner Keupstraße 2004 als Ausgangspunkt. 2021 jährt sich die Enttarnung der Rechtsterroristen des NSU um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, die sich viele Jahre in Zwickau versteckten, zum zehnten Mal. Das Theater Plauen-Zwickau nimmt dies zum Anlass, die Themen Rechtsterrorismus und der Umgang der Behörden mit den Opfern aufzugreifen.
In der Nacht zum 25. März 1945 feiert man auf Schloss Rechnitz ein rauschendes Fest. Als Höhepunkt werden gegen Mitternacht an die 200 jüdische Zwangsarbeiter von einer Schar Gäste in Partylaune erschossen. Die Gastgeber fliehen ins Ausland, das Schloss geht in Flammen auf. Nach dem Krieg verschwinden Zeugen, Strafverfahren verlaufen im Sand, das Massengrab bleibt bis heute unentdeckt, es herrscht Schweigen.
Knapp 60 Jahre später zieht eine rechtsextreme Terrorzelle über 13 Jahre lang unbehelligt quer durch Deutschland und ermordet Menschen. Ein missglückter Banküberfall führt zur Enttarnung, die Wohnung geht in Flammen auf, zwei Täter fliehen in den Selbstmord. Im Strafprozess bleiben Zeugen blind und stumm, Beweismaterialien verschwinden, es herrscht Schweigen. „Rechnitz (Der Würgeengel)“, das zentrale Werk Jelineks zu den Nazi-Verbrechen und unserem Umgang damit, wird in Verbindung gebracht mit dem „Schweigenden Mädchen“, ihrer großformatigen Auseinandersetzung mit den NSU-Morden und -Prozessen. Die Linie von der Vergangenheit in die Gegenwart wird umspielt von Jelineks „Wolken.Heim“, einer Kolportage deutscher Geistes- und Seelenbilder, die nach dem Verhältnis des Beschriebenen zu Nation und Nationalismus fragt.
Der Nürnberger Schauspieldirektor Jan Philipp Gloger, der zuletzt „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufführte, setzt sich zum vierten Mal mit den Texten der Literaturnobelpreisträgerin auseinander.
„Es sind die Frauen, die als Bindeglied der Szene zur bürgerlichen Welt und Kommunalpolitik fungieren“, so eine von vielen weiblichen Stimmen aus der Rechten Szene, jedoch eine hörbare Aussteigerin, die Zeugnis ablegt von ihrer schrittweisen Radikalisierung. Doch es gibt auch andere, ungebrochene Stimmen. So die politische Kandidatin, die öffentlich die „nationale Wende“ fordert, die unscheinbare Siedlerin auf dem Bauernhof, die still im Hintergrund agiert oder die populäre Bloggerin, die rechte Ideologien im Netz supportet und für eine junge Generation salonfähig macht. Wie verschieden sind die Strategien und Positionen in der Stimmenvielfalt wirklich? Oder gilt für Frauen weiterhin schlicht das alte Diktum von Volkserhalt und Kindererziehung? So unterschiedlich die Erscheinungsformen auch sein mögen: Frauen werden in der Bewertung der Neuen Rechten oft unterschätzt, vielmehr fliegen sie unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung durch. Doch Fakt ist: Es gibt sie und sie sind nicht wenige.
Die Inszenierung setzt sich mit der Vielfalt zwischen rechtskonservativer Tradition und emanzipatorischem Gedankengut auseinander, um diese Frauen in ihren gesellschaftlichen Positionen les- und erkennbar zu machen.
2017 gab sich der Bundeswehroffizier Franco A. als syrischer Geflüchteter aus. Sein Plan, mit der gefälschten Identität in Deutschland Anschläge zu verüben und so rassistische Ressentiments zu schüren, wurde durch seine Festnahme verhindert. Wenig später wird bekannt, dass der Offizier in ein Netzwerk eingebunden war, dessen Gründer sich im Internet Hannibal nennt. In diesem Netzwerk organisieren sich u.a. Soldat:innen, SEK-Beamt:innen, Richter:innen und weitere Mitglieder deutscher Sicherheitsorgane, die sich auf den sogenannten Tag X vorbereiten, den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in Deutschland. Bis heute reißen die Diskussionen über rechtsextreme Umtriebe innerhalb der militärischen Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) nicht ab. 2020 zählte der Militärische Abschirmdienst 50 rechtsextremistische Verdachtsfälle. 2021 soll der Prozess gegen Franco A. wegen Terrorverdacht beginnen.
Ausgehend von dieser realen Figur unserer Gegenwart überschreibt der Dramatiker Dirk Laucke den Roman „Ein Kind unserer Zeit“ von Ödön von Horváth aus dem Jahr 1938. Darin wird die Entwicklung eines jungen Mannes geschildert, der sich, enttäuscht von seiner Familie und voller Neid auf das Glück anderer, der völkisch-rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten verschreibt. Im Zentrum von Lauckes Text steht Rico, selbst KSK-Soldat, der sich im Glauben, „Großes“ für sein Land zu leisten, in rechtsextremistische Verschwörungsmythen verrennt. Dass in der Truppe die soziale Herkunft keine Rolle spielt, dass jeder nur nach seiner Leistung beurteilt wird, ist dem jungen Mann wichtig. Für ihn bedeutet die Karriere in der Bundeswehr den Schritt raus aus dem Milieu seiner Eltern und zugleich einen sinnstiftenden Dienst am Vaterland. Unterdessen stellt sich heraus, dass innerhalb der Einheit Gedankengut kursiert, das von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, auf die die Soldaten einen Eid geschworen haben, deutlich abweicht. Allen voran glaubt Hauptfeldwebel Schmitt an einen bevorstehenden Bürgerkrieg, an eine „Invasion der Ölaugen“, wie er sagt und dass man sich auf den Moment vorbereiten müsse, die Geschicke des Landes selbst in die Hand zu nehmen. Rico scheint endlich seinen Platz gefunden zu haben.
Die Tanzcompagnie des Volkstheaters hat über das Frauenbildungsnetz Kontakt zu neun Frauen aufgenommen, die als Migrantinnen nach Rostock gekommen sind und hier leben. Was haben sie von ihren Erlebnissen und ihren Lebenserfahrungen mitzuteilen? In Videosequenzen werden Momente ihres Alltagslebens eingefangen, nimmt das Publikum Anteil an ihren Gedanken und Gefühlen sowie an ihren Begegnungen mit Tänzerinnen und Tänzern der Compagnie. Diese treten aus dem Video heraus und setzen die Situationen in einer Live-Performance fort, übersetzen die Mitteilungen der Frauen in Bewegung und Tanz.